Kleine Tonkunde

Geologischer Exkurs

Der Grundstoff der Keramik- und Ziegelproduktion entstand gegen Ende der Eiszeit. In der Mark entstanden mächtige Lager von Bänderton. Tone sind Sedimentgesteine aus wasserhaltigem Aluminiumsilikat, die hauptsächlich durch Verwitterung feldspathaltiger Gesteine entstandene Tonminerale enthalten. Beim Ton handelt es sich um feinkörniges, meist gelblich bis graues Lockergestein mit Korngrößen von weniger als 0,02 mm. Andere mögliche Farbvarianten sind rot oder violett, grün oder schwarz. Die Tone sind durchsetzt mit Verwitterungsresten von Quarz, Feldspat, Silikaten und organischen Stoffen. Sehr feinkörnige, quarzarme Tone werden als fette Tone, stark mit Staubsand vermengte Tone als magere Tone, quarzsandreiche Tone als Lehme, kalkhaltige Tone als Mergel, stark steinsalz- und gipshaltige Tone als Salztone bezeichnet. In Verbindung mit Wasser bildet Ton eine formbare Masse. Ton dient als Rohstoff bei der Herstellung von keramischen Erzeugnissen (Ziegelsteinen, Kacheln, Töpferwaren u.a.) und Baustoffen (Zement, feuerfesten Stoffen u.a.) sowie als Füllstoff in der Papierindustrie und als Bohrspülmittel.

Geschichte der Keramik

Die Herstellung von Tonwaren gehört zu den ältesten Produktionstechniken der Menschheit. In Mesopotamien und Ägypten begann die Herstellung gebrannter, mit Ornamenten bemalter Gefäße in der jüngeren Steinzeit um 5000, in Mitteleuropa um 4000 v.Chr.

Zu Beginn des 4. Jahrtausends v. Chr. wurden schon dünnwandige, gleichmäßig geformte Gefäße hergestellt, um diese Zeit kam auch im Vorderen Orient die Töpferscheibe auf.

Ende des 4. Jahrtausends wurden in Babylon (im heutigen Irak) bereits beim Hausbau gebrannte, glasierte Ziegel verwendet. (Zu sehen beispielsweise im Pergamon Museum in Berlin).

In Mitteleuropa erreichte die Töpferkunst seit 2000 v. Chr. Bedeutung. Die griechische Keramik verbreitete sich durch Handel über das gesamte Mittelmeergebiet und förderte die Entwicklung etruskischer und römischer Töpferkunst.

An hervorragender Stelle steht auch die chinesische Kunst. In China wurde bereits in der Tang-Zeit (618- 907) das Porzellan erfunden.

In Europa stagnierte im Mittelalter die künstlerische Weiterentwicklung der Keramik.

Erst in der Renaissance wurde wieder ein hohes Niveau erreicht.

Am 15. Januar 1708 gelang es Johann Friedrich Böttger in Meissen, erstmalig in Europa Porzellan herzustellen. Das Porzellan nahm gegenüber dem Steinzeug immer mehr an Bedeutung zu.

Die Bedeutung des Tons als Baumaterial seit frühgeschichtlicher Zeit ist von größter Tragweite für die Entwicklung der Mark Brandenburg, besonders vom 12. bis 14. Jh. Die romanische Klosterarchitektur Brandenburgs z.B. ist ohne Ziegel nicht denkbar. Durch die Baukunst der Mönche fand die Ziegelbautechnik eine weite Verbreitung. Jetzt erst war der massive Bau auch von anderen Gebäuden in einer Gegend möglich, in der wenig bearbeitbarer Naturstein vorhanden war. Die Verarbeitung des Tons bis zum Brennen war im Prinzip immer derselbe Ablauf, nur die technischen Möglichkeiten verbesserten sich ständig. Der letzte Produktionsschritt, das Brennen bei etwa 1000° bis 1100°C, gibt dem Ziegel seine Festigkeit. In früherer Zeit wurden die Ziegel in Feldbrandöfen hergestellt. Erst die Entwicklung des Ringofens durch Friedrich Eduard Hoffmann im Jahre 1858 ermöglichte eine ganzjährige kontinuierliche Produktion. Damit war man in der Lage, den wachsenden Bedarf an Ziegeln in der Gründerzeit abzudecken.

Herstellung der Keramik

Rohstoffe dieser Keramik sind durch Wasser plastizierbare tonige Substanzen, bestehend aus Tonmineralien in Verbindung mit Quarz, Feldspat, Glimmer und Kalk und farbgebenden Verbindungen. Entsprechend der gewünschten Eigenschaften der Fertigprodukte werden die Rohstoffe gemischt. Der Zusatz von Wasser ergibt eine bildsame Masse, die in poröse, wasseraufsaugende Formen gegossen wird. Die keramischen Rohmassen können von Hand, durch Rollenformgebung oder durch Strangpressen (z.B. bei Rohren, Stäben, Hochlochziegel, Vollsteinen) geformt werden. Vor dem Brennen müssen die wasserhaltigen Tonmassen einem Trockenprozess ausgesetzt werden, um eine Zerstörung durch innere Wasserdampfbildung zu vermeiden. Beim Trocknen tritt eine Schrumpfung des Volumens bis zu 20% auf. Bleibt beim anschließenden Brennen die Temperatur unter 1000°C, entsteht ein Produkt, das zur Wasseraufnahme fähig ist. Über 1000°C beginnt das Material zu sintern, das Gefüge verdichtet sich zunehmend. Härte und Dichte des gebrannten Tons bestimmen die Eigenschaften der Ton-Keramik. Durchgesinterte Erzeugnisse (Tonzeug) sind hart und wasserdicht (Porzellan und Steinzeug). Die meisten natürlich vorkommenden Tone müssen unter 1000°C gebrannt werden, da die Produkte sonst ihre Form verlieren. Diese ungesinterten Erzeugnisse (Tongut) sind nicht sehr hart und bleiben porös. Durch Glasur wird eine Wasserdichte erreicht, z.B. bei Fayencen und Steingut.